Wieso die Zinseszins-Kritik falsch ist

Wir möchten in diesem Beitrag auf die Zinseszinskritik eingehen und so weit es uns möglich ist, umfassend beleuchten, wieso alle Behauptungen, die im Zusammenhang mit dem Zins kursieren, haltlos sind.

Teilweise muss man den Verbreitern solcher Botschaften schwere Vorwürfe machen, denn sie sollten auf Grund ihres Bildungsstandes und Ausbildung in der Lage sein, einfachste Modelle, die für den Beweis eines „unmöglichen Zinssystems“ herangezogen werden, an Hand logischer Herleitungen zu falsifizieren.

Auf die Frage, was der Zins ist – gehen wir hier nur ganz kurz ein. Es gibt einfach zu viele Abhandlungen von verschiedensten Autoren zum Zins.

Update: Vorwort

Wir beziehen hier die Ausführungen zum Zins mitnichten nur auf Zentralbankgeld und ein komplettes Geldsystem, sondern beginnen bei der ursprünglichen Funktion von Zins in einem Geldsystem auf wertbasiertem Geld und dem Verleih von Geld von Privat zu Privat.

Wenn wir von „Verleiher von Geld“ sprechen, kann das ein Privatmann sein, der Anleihen von einer Firma X erwirbt und ihr damit sein Kapital für einen definierten Zeitraum leiht. Die Firma X zahlt ihm für diese Zeit eine Leihgebühr in Form der Zinses. Was daran falsch sein soll, mögen die Herren Kommentatoren bitte erläutern.

Die Probleme des heutigen Fiatgeldsystems, die fälschlicherweise heute dem Zins angelastet werden, entstammen der Geldschöpfung aus dem Nichts und der gleichzeitigen beliebigen Vermehrbarkeit von Fiatgeld, da es keine Deckung durch Gold oder Silber mehr genießt.
(diese beiden Punkte sind nicht dasselbe – auch in einem Reservebankensystem ist Geld nicht beliebig vermehrbar, denn es kann nur bis zu einem bestimmten Punkt durch die Geschäftsbanken aufgebläht werden. Erst die nicht vorhandene Deckung des Geldes ermöglich es den Zentralbanken(!) beliebig viel davon in Umlauf zu bringen und es beliebig(!) zu vermehren/entwerten.)

Jede Art von Kritik soll bitte geprüft werden, ob sie sich auf eine Eigenschaft des Schuldgeldsystems oder tatsächlich auf den Zins bezieht. Andernfalls wird der Kommentar einfach nicht freigeschaltet, was dem Kommentator Lebenszeit gekostet, uns aber erspart hat.

Was ist Zins?

Den Zins kann man als eine Leihgebühr für Geld verstehen. Ein Mensch, der Geld gespart hat und dieses „heute“ nicht braucht, verleiht es an einen anderen Menschen, um „morgen“ dafür mehr zu haben. Die unterschiedliche Zeitpräferenz sorgt dafür, dass sich beide treffen. Es verhält sich ganz ähnlich wie wenn ein Mensch ein Auto besitzt, welches er kaum nutzt und dieses an einen anderen vermietet. Der Verleiher von Geld verzichtet wie der Verleiher des Autos für eine gewisse Zeit auf die Nutzung des Gutes, die einem anderen aber so wichtig ist, dass er dafür bereit ist zu bezahlen.

Würde man fordern, dass der Verleiher von Geld keinen Zins (Leihgebühr) auf das verliehene Geld verlangt, würde dieser beim Verleihen Verlust machen, denn 1000 Euro heute zu haben ist bei weitem nicht dasselbe wie 1000 Euro in 12 Monaten zu haben. Mit 1000 Euro könnte man heute eine Eismaschine kaufen und damit ein Jahr lang Gewinne erwirtschaften. Man spricht hier auch von Opportunitätskosten, die entstehen würden.

Es ist also nur fair, dass ein Verleiher von Geld, wie ein Verleiher von jeder anderen Ware auch, einen Ausgleich für seinen Verzicht erhält. Der Leihende ist dankbar und willigt ein, für die verhandelte Zeitdauer einen gewissen Betrag zu zahlen. Beide einigen sich auf das Geschäft, da beide einen Vorteil im Geschäft sehen.

Wieso ist der Zins nicht das Problem unserer heutigen Wirtschaftssysteme?

Ein nicht manipulierter Zins in einer freien Marktwirtschaft  (derzeit eine vollkommene Utopie) ist ein Segen, denn er zeigt deutlich an, mit welchem Risiko Investitionen behaftet sind.  Ein manipulierter Zins verwässsert diese Betrachtung und setzt Anreize zu Fehlinvestitionen – ein Phänomen, welches zu zahlreichen Blasen auf der ganzen Welt führt, die in der Vergangenheit bereits geplatzt sind oder noch platzen werden.

Der Zins ist nichts weiter als eine Leihgebühr für Geld. Mehr nicht. Damit einhergehende Probleme sind schlicht anders verortet, werden dem Zins aber nur allzu gerne zugeschrieben. Die Probleme unserer heutigen Wirtschaftssysteme sind fast ausschließlich im falschen Geldsystem begründet, welches eines aus Schuld generiertes Geld (sog. Fiatgeld) verwendet, zu dessen Verwendung wir von staatlicher Seite gezwungen werden. Der Zins hat mit dieser eigentlichen Ursache der Probleme so viel zu tun wie Kontogebühren.

Was ist der Zinseszins?

„Zinseszins ist Zins, der auf kapitalisierte (dem Kapital zugeschriebene) Zinsen vergangener Berechnungsperioden berechnet wird.“ (Wikipedia)

Der Zinseszins beschreibt den Vorgang, wenn der fällige Zins auf den bisherigen Gesamtbetrag aufgeschlagen und in der folgenden Periode mit verzinst wird. Es kommt zu einer exponentiellen Vermehrung von Guthaben oder Schulden. (dazu später mehr)

Warum ist der Zinseszins kein Problem?

Wenn von exponentiellem Wachstum gesprochen wird, reiben sich die Zinskritiker in der Regel die Hände, weil sie von ungesunden oder unnatürlichen Vorgängen sprechen können – von einem unmöglichen System, das irgendwann in sich zusammen fallen muss! Im Folgenden wollen wir auf die Geschichten und Vergleiche der Zinskritiker eingehen und sie möglichst knapp widerlegen.

Josephspfennig

Wir wollen an der Geschichte des Josephspfennigs erklären, was an den Thesen der Kritiker falsch ist. Diese Geschichte wird von Menschen, denen man gerne zuhörte, wie z.B. Dirk Müller und Andreas Popp, immer wieder vorgetragen und ausgeschmückt. Mitunter erwähnen die Erzählenden die eklatanten Fehler in der Geschichte selbst beiläufig beim Sprechen, gehen aber ohne weiteren Kommentar darüber hinweg, denn die Moral von der Geschichte soll den Leuten ja unmissverständlich eingetrichtert werden.

Der Josephspfennig ist eine Geschichte, die zu Jesu Geburt beginnt und davon berichten soll, wie unnatürlich und krank der Zinseszins eigentlich ist. Sie handelt von der Annahme, dass Joseph zur Geburt Jesu einen „Pfennig“ auf dem Konto einer „Bank“ anlegt und die Zinsgewinne auf dem Konto belässt. Jetzt fragen die Erzähler meist die Zuhörer, was sie denn schätzen würden, was dieser Pfennig heute wert wäre und versetzen die Zuhörer in Erstaunen, wenn sie die Unglaublichkeit dann kund tut.
Ähnlich wie bei einem Wunderheiler im Mittelalter oder den heute bekannten Verkaufssendungen auf den üblichen Shopping-Sendern, versucht man die Zuhörer in ein ungläubiges Staunen zu versetzen, weil sie dann für die nachfolgende Moral bzw. den Verkaufsabschluss viel empfänglicher sind. Nein – nicht 1, nicht 100, sondern 295 Milliarden Erdkugeln aus purem Gold wäre der Pfennig heute wert.

josephspfennig falsch

Josephspfennig – wird sogar anschaulich erklärt – für den Fall, dass sich jemand keine 295 Milliarden Erdkugeln aus Gold vorstellen kann

Ähnlich wie jedes Märchen hat diese Geschichte mit der Realität wenig gemein. Und sie darf auch nicht als „grundlegend richtig wenn auch überspitzt dargestellt“ verstanden werden. Hier die wesentlichen Falschannahmen in der Übersicht:

  • Zins geht immer mit einem Risiko einher
    In den Fernsehinterviews wird die Geschichte gerne ausgeschmückt, auch wenn der Erzähler dabei in Kauf nimmt, dass der Zuhörer die klar erkennbaren Fehler in der Geschichte bemerkt oder besser erspürt.
    So wird bereits von „Volksbank von Judäa“ oder „Pfennig“ gesprochen, was beim aufmerksamen Zuhörer bereits die Frage aufwerfen sollte, ob es denn im Jahre 0 schon einen Pfennig gegeben habe. Würde die Frage aber wirklich gestellt, wäre die Antwort vermutlich, dass es eben die Währung dieser Zeit gewesen sei und es auch nichts zu Sache täte, wie die Währung denn nun genau hieße. Es macht aber sehr wohl etwas aus und weißt zugleich auf den größten Fehler der Erzählung hin.
    Keine Währung, kein Währungssystem, keine Bank, bei der Joseph damals seinen Pfennig hätte anlegen können, wäre heute noch existent. Die Strukturen und Institute dieser Zeit waren bald auseinander gebrochen, bankrott gegangen oder von Despoten vereinnahmt worden.
    Der Erzähler unterdrückt die Tatsache, dass ein aus einer Kapitalanlage gewonnener Zins immer mit dem Risiko des Ausfalls einher geht. Immer!
    (Wenn in unserer heutigen Zeit Banken durch Steuergelder gerettet werden und damit das Risiko zu Lasten der Steuerzahler eliminiert wird, ist das eine ganz andere Sache und ändert nichts an der ursprünglichen Aussage.)
  • Exponentielles Wachstum 
    Es wird immer wieder behauptet, das Wachstum – vor allem wenn es exponentiell abläuft – krank und unnatürlich sei. Wenn 295 Milliarden Erdkugeln aus Gold das den Zuhörern nicht klar machen können, was dann? Tatsächlich laufen aber unglaublich viele Prozesse in der Natur exponentiell ab. Man muss nur an das allen aus der Schulmathematik bekannte Beispiel vom Seerosenteich denken, in dem man berechnet, wie schnell der ganze Teich von Seerosen bedeckt sein wird.
    Was allerdings in der Natur niemals einfach ausgeklammert wird, sind Gegenspieler, Begrenzungen und Risiken, die bei der Erzählung vom Josephspfennig einfach unterschlagen werden.
    Man könnte als exakte Parabel zum Josephspfennig auch die Geschichte von der Josephskakerlake erzählen, die zu Jesu Geburt anfing sich zu vermehren und heute Milliarden von Erdkugeln aus Nachkommen gezeugt hätte. Der Bezug zur Realtität wäre genauso groß und die Sinnhaftigkeit der unentwegten Wiederholung dieser Erzählung genauso fragwürdig.

Fabian der Goldschmied

Eine weitere Geschichte, die unter den Zinskritikern sehr beliebt ist, nennt sich „Fabian der Goldschmied„. Dabei wird von einem unmöglichen System des Zinses berichtet, welches immer dazu führen müsse, dass Menschen scheitern und dem System zum Opfer fallen.

Fabian Goldschmied

Fabian der Goldschmied bei Youtube

Die Geschichte enthält als Kern die Aussage, dass wenn ursprünglich 100 Goldstücke zu einem Zinssatz von 5% von einer Bank verliehen und der Wirtschaft zur Verfügung gestellt wird, die Kreditnehmer in Form von Händlern, Handwerkern und Bauern am Ende des Jahres irgendwo her weitere 5 Goldstücke beziehen müssten, weil ansonsten die Zinsen nicht gezahlt werden könnten. Es müsse, so die Geschichte, zu Bankrotterklärungen und Pleiten kommen. Der Zins würde den Menschen die Last aufbürden, mit anderen zu konkurrieren und dabei als Sieger hervorzugehen (versteckte Kapitalismus-Kritik), denn die Sieger müssten ja irgendwie ihre Zinsen bezahlen können.

  • System in Fabians Welt ist bereits Schuldgeldsystem
    Die Kritik am Zins muss von der Kritik am Schuldgeldsystem getrennt werden und dann als ungerechtfertig erkannt werden. Daher ist es wichtig, dass die Probleme, die mit der Gedlschöpfung aus dem Nichts einhergehen, nicht dem Zins und Zinseszins angelastet werden. Daher gehen wir hier auf die 5 zusätzlichen Goldstücke ein, die irgendwo her kommen müssen. Es ist bereits sehr gefährlich, dass überhaupt Goldstücke im Märchen verwendet werden, denn Gold zählt eigentlich zu den einzigen Dingen, die wir neben Silber überhaupt als ursprüngliches Geld kennen. Man vermischt im Märchen von Fabian aber das Gold mit einem auf Schuld basierenden Geldsystem, was aus sich heraus die Betrachtung sehr schwierig macht.
    Die Szene auf dem Markt, bei der sich alle auf dem Marktplatz streiten zeigt ja schon ganz deutlich, wo das Problem her rührt: 1. Fabian bekommt das alleinige Recht Geld zu erschaffen, 2. Ihm gehören zu Beginn alle Goldstücke, die er dann gegen Zins verleiht und 3. die Menschen haben kein Recht, Geld selbst zu schürfen.
    Es ist also so, dass die Leute erst einmal mit „nichts“ starten und per Dekret zur Verwendung eines Zentralbankgeldes verpflichtet werden. Darin liegt die Wurzel des Problems – nicht im Zins.
  • Der Zins kann in einem gesunden System aus dem Wachstum gewonnen werden
    In einem auf Gold basierenden System (Goldstandard), welcher auch in einem „Free Banking“ System der präferierte Standard sein dürfte, können sich die Menschen natürlich auch Geld leihen oder besitzen es bereits (Geld/Gold/Silber). Dem Zins, der in einem solchen System für das verliehene Geld verlangt wird, kann der im Markt generierte Mehrwert durch die Arbeit der Menschen gegenüber gestellt werden. Dieser Mehrwert kann in Form von neuem Geld bereitgestellt werden, ohne dass sich das Geld entwertet.
    Anders ausgedrückt wird während eines Jahres durch die menschliche Arbeit aus relativ wertlosen Gütern wie Eisenerz und Kohle ein modernes Auto gefertigt, welches einen wesentlich höheren Wert hat, als die Summe der Rohstoffe und Arbeitskosten zusammen. Einer gleichbleibenden Geldmenge (100 Münzen im Film) würde ein größerer Warenwert gegenüber stehen. Der Wert des Geldes würde steigen (Deflation). So kann also die Bank problemlos 5 weitere Goldeinheiten emittieren, ohne dass sich der Wert einer einzigen Einheit ändert, weil der Warenwert pro Geldeinheit gleich bleibt. Das fiktive Zinsproblem, welches in Fabians Geschichte beschrieben wird, hat tatsächlich nichts mit den Zins in einem gesunden Geldsystem zu tun, sondern lässt sich nur konstruieren, wenn bereits ein Schuldgeldsystem mit einer monopolistischen Zentralbank installiert ist.

Das Kapital für sich arbeiten lassen

Oft findet man in der Argumentation versteckt oder auch ganz offen und schamlos vorgetragen die Kritik daran, das manche nur das Geld auf der Bank für sich arbeiten ließen und nicht hart für ihren Lebensunterhalt arbeiten müssten. Diese ganz klar auf Neid gegründete Kritik am Reichtum an sich, kann nur dann nicht vollständig abgewiesen werden, wenn diejenigen durch staatliche Hilfe zu ihrem Reichtum gekommen sind. Zu diesen Leuten zählen beispielsweise Politiker, staatliche Bedienstete aber auch Nutznießer staatlich geschaffener und unterstützter Monopole wie Prominente, Moderatoren und Mitarbeiter bei den Öffentlich Rechtlichen aber auch Medienkonzernen, Banken und Großkonzernen, die von staatlicher Hand geschützt werden.

Die Kritik sollte sich hier aber nicht auf Reichtum an sich und den Kapitalertrag aus Zins konzentrieren, sondern auf die unfreiwillige(!) Entstehung dieser Vermögen aus den Taschen der Steuer- und Gebührenzahler. Ein am Markt durch die Befriedigung der Bedürfnisse der Menschen zu Wohlstand gekommener Unternehmer hat sein Vermögen durch freiwilligen Tausch redlich verdient. Der erfolgreiche Unternehmer ist nämlich nur deshalb reich, weil er anderen ein besonderes Bedürfnis befriedigt und dafür einen Lohn erhalten hat.

So hat er beispielsweise die Motorsäge erfunden oder eine spezielle Software auf den Markt gebracht – vielleicht hat er aber auch einen Wirkstoff entwickelt oder eine neue Art Motor. Wenn nun dieser Mensch sein Vermögen bei einer Bank anlegt und so wiederum ermöglicht, dass anderer Unternehmer von dieser Bank Geld leihen können [wir sind uns bewusst, dass das heute durch die Leitzinspolitik der EZB extrem verzerrt wird], dann ist es doch absolut gerecht, wenn er für das Verleihen seines Geldes eine entsprechende Leihgebühr erhält. Das Vermögen sorgt dafür, dass andere Investitionen und Projekte erst ermöglicht werden, indem Kapital zur Verfügung gestellt wird. Was mit einem Land passiert, aus dem Vermögen flieht, lässt sich am aktuellen Beispiel von Frankreich anschaulich nachvollziehen. Wenn das Vermögen der „Reichen“ als Einlage bei lokalen Banken keinen Einfluss auf die Wirtschaft des Landes hätte, dann dürfte es auch keinen Unterschied machen, ob sich das Geld bei inländischen Banken oder auf den Bahamas befindet.

Darüber hinaus ist es natürlich genauso gerecht, wenn dieser erfolgreiche Unternehmer dieses Vermögen seinen Kindern und Enkeln vermacht und diese dann davon leben können. Dann profitiert der Enkel eben vom großen Nutzen seines Opas, der einmal durch eine große Bedürfnisbefriedigung viele Menschen glücklich gemacht hat. Ein solcher Enkel, der mit 25 Jahren im Porsche durch St. Anton fährt, hat seinen Luxus im Gegensatz zu den 8 Dienstwagen des ehemaligen Kanzlers Schröder von seinem Opa geerbt und nicht per Zwang von Bürgern über Steuern eingetrieben.

Daher ist es richtig zu sagen, dass man nur in einem Freien Markt am Vermögen des Einzelnen erkennen kann, wie sehr er oder ein Vorfahre diesen Reichtum auch verdient haben. Grundsätzlich ist die Kritik am Zins aber falsch und sollte unter allen Umständen auch abgelehnt werden. Dass heute reiche Menschen von einem risikolosen Zins profitieren können, liegt doch in erster Linie an der Politik, die über Bailouts Banken aus Steuergeldern rettet. Dieses Hand in Hand von Staat und Banken/Großkonzernen wird übrigens auch als „Korporatismus“ bezeichnet.

Wir hoffen, wir konnten etwas Licht ins Dunkel bringen und die vollkommene Harmlosigkeit des Zinses als eine „Mietgebühr für Geld“ erläutern.

31 Gedanken zu „Wieso die Zinseszins-Kritik falsch ist

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  2. wenn wir im gesamten system sagen wir nur 10 bank-sparkonten haben bei nur einer bank, sonst keine weiteren marktteilnehmer, auf den 10 konten liegt unterschiedlich viel geld, alle bekommen 5% zinsen pro jahr und auf einem konto liegt mehr geld als auf allen anderen, auf welchem konto wird dann nach einiger zeit alles geld angehäuft sein?

    • Auf keinem.
      Alle bekommen in diesem völlig unrealistischen und bescheuerten Versuchsaufbau ihre Zinsen.
      Hoffentlich arbeiten auch alle fleißig und generieren ein Wirtschaftswachstum, denn sonst erleben sie eine herbe Inflation, denn die Bank muss ja jedes Jahr 5% der Geldmenge neu aus dem Nichts schöpfen.

      • Hallo Max,

        „Wirtschaftswachstum ins Unendliche“ …
        Ich vermute, dass in Deinem Kopf auch „Wirtschaft“ von „uns Menschen“ getrennt ist und „die kalte Wirtschaft“ der „warmen Menschlichkeit“ entgegensteht.
        Dabei sind wir selbst „die Wirtschaft“. Wir, die wir Dinge begehren und kaufen, die wir unsere Leistungen anbieten und uns Produkte überlegen, die wieder andere gut finden können und kaufen möchten. Wenn also die Wirtschaft wächst, ist daran überhaupt nichts schlimmes und sie soll auch ruhig weiter wachsen.
        Wenn ich diese Sprüche mit „es gibt kein unendliches Wachstum“ höre, weiß ich sofort, dass dieser jemand ein bestimmtes Mindset entwickelt hat, dass es ihm schwer macht, klar zu sehen.
        Wieso sollte die Wirtschaft nicht einfach wachsen – Autos werden immer komfortabler, sicherer, komplexer – Computer werden immer schneller (sogar exponentiell!!! „geht ja gar nicht!! das ist ungesund!!!“), Häuser werden mit Elektronik immer intelligenter, Roboter nehmen uns einfachste Tätigkeiten ab, sodass wir uns auf Dienstleistungen und spezielle Arbeiten konzentrieren können.
        Wieso sollte das nicht einfach weiter wachsen dürfen?
        Ich habe schon beschrieben, dass ein Wachstum, welches rein durch QEs dieser Welt zustande kommt, nicht nachhaltig ist. Staatliche Eingriffe hemmen und behindern Fortschritt und Entwicklung so sehr, dass irgendwann selbst die Subventionen und Regulierungen nicht mehr ausreichen und in sich zusammenfällt, was künstlich aufgeblasen wurde.

  3. eure these ist also zins ist gut und josephpfenning ist kein problem – begründung – weil das system so schlecht ist das es alle 50-100 jahre zerbröselt . das ist natürlich ein sehr einleuchtendes argument. das wollen wir ja schliesslich alle . ein instabiles system das nicht überlebensfähig ist und alle paar jahre einen reset benötigt. das ist also das beste argument dagegen? na dann prost mahlzeit wenn ihr das selbst wisst und es trotzdem haben wollt

    • Der Zins wirkt in einem gesunden System ausschließlich positiv, indem er das Geldverleihen möglich macht – was eine absolut natürlich Sache ist. Er wirkt, wie auch im Text oben erwähnt, regulativ, indem er das mit der Investition verbundene Risiko anzeigt.
      Es muss nicht das ganze System zerbröseln. Es reicht im Beispiel ja ein Bankrott der Volksbank von Judäa, weil sie in eine Fabrik für Bikinis investiert hat, die sich aber am Markt nicht so recht verkaufen wollen. Es ist so gemeint, wie es im Text steht: ZINS IST IMMER MIT EINEM RISIKO VERBUNDEN. Das muss sich nicht auf das gesamte Geldsystem bezogen werden. Im Schuldgeldsystem ist es aber leider so.

  4. Es scheint mir doch etwas schlicht, wenn man Zins als reine Verleihgebühr betrachtet und das nur durch die Trennung vom Schuldgeldsystem durchziehen kann,- das wir aber nun einmal haben. Geldschöpfung durch Geschäftsbanken löst eben genau diesen Zusammenhang auf und ermöglicht eine nahezu risikolose Kreditvergabe.

    • Nein – der Zins ist auch nur eine reine Verleihgebühr. Den Zins als Problem zu sehen ist wie wenn man das Auto als Problem sieht, nur weil sich ein Psychopath ans Steuer setzt. Der Zins ist wie das Auto etwas sehr nützliches.

  5. Selten so einen Unsinn gelesen. Und das wird an unseren Unis gelehrt? Schockierend…

    Hier einige Klarstellungen:

    1) Zu „der Zins ist eine Prämie für Verzicht“: Dieses Argument ist schon deshalb falsch, weil der Großteil der „Geldverleiher“ (die Banken) eben gar kein Geld verleiht, sondern bei Vorgang der Kreditvergabe neues Schuldgeld schöpft. Hierfür muss niemand auf sein Erspartes verzichten, und es wird auch kein anderes Konto dafür belastet. Genau genommen brauchen die Banken überhaupt keine Einlagen um neues Geld zu schöpfen. Sie können z.B. einfach neu gezeichnete Staatsanleihen (die nicht mal mit Eigenkapital hinterlegt werden müssen) bei der EZB hinterlegen und bekommen dafür frisches Zentralbankgeld, auf dessen Basis sie wiederum den x-fachen Kredit erzeugen können.

    2) Zu „Ein nicht manipulierter Zins in einer freien Marktwirtschaft (derzeit eine vollkommene Utopie) ist ein Segen, denn er zeigt deutlich an, mit welchem Risiko Investitionen behaftet sind.“: Alleine die Tatsache, dass es offensichtlich notwendig ist den Zins zu manipulieren, damit das System nicht auseinander fliegt, zeugt nicht gerade von einem stabilen Zustand. Der vollkommen unmanipulierte Zins in der völlig freien Marktwirtschaft wird daher immer Utopie bleiben.

    3) Zum exponentiellen Wachstum und seinem angeblichen Vorkommen in der Natur, untermauert mit dem Beispiel der Seerosen auf einem Teich: Es muss doch bitte jedem klar sein, dass der See irgendwann voll ist und das – bis dahin exponentielle – Wachstum dann aprupt zum Erliegen kommt. Es bestreitet niemand, dass exponentielle Wachstum möglich ist – aber eben NUR ÜBER EINEN BEGRENZTEN ZEITRTAUM!

    4) Zu „Der Zins ist eine Risikoprämie“: Auch dieses Argument wurde längst von der Realität widerlegt, da, wie inzwischen x-fach bewiesen, die Kreditgeber (also die Banken) das Risiko mitnichten selbst tragen, sondern dieses beim Eintreten des Verlusfalles auf die Allgemeinheit abgewälzt wird.

    Zugute halten muss man dem Autor des Artikels jedoch, dass er zumindest erkannt hat, dass (auch) die Art der Geldschöpfung, nämlich als Schuldgeld, ein Problem ist. In Wahrheit wirkt gerade die Kombination von Schuldgeld und Zinseszins fatal.

    http://www.neopresse.com/finanzsystem/zinskritik-der-reinen-vernunft/

    • Hallo Clemens,

      Deine Kritikpunkte werden alle im Artikel behandelt und laufen ins Leere.

      zu Punkt 1)
      Ist im Schuldgeldsystem so, ja. Geld wird aus dem Nichts geschaffen. Ist eine Kritik am Schuldgeldsystem, aber keine Kritik am Zins. Der Zins bleibt völlig unangetastet davon eine Leihgebühr für Geld.

      zu Punkt 2)
      Zentralbanken manipulieren den Zins. Ja. Es wird keine Utopie bleiben, denn das Free Banking gab es schon oft auf diesem Planeten. Einfach mal bei Wikipedia nachlesen, bevor man das Kind (Zins) mit dem Bade (Zentralbankgeld) ausschüttet.

      zu Punkt 3)
      Bei Zentralbankgeld gibt es nur einen Teich. In einer gesunden Wirtschaft scheiden mitunter Teilnehmer, die Unternehmensanleihen zu einem bestimmten Zins ausgegeben haben aus und die Anleihe fällt aus. Geld geht verloren. Das Risiko des Zinses tritt ein. Es muss nicht immer ein ganzes Geldsystem kollabieren.

      zu Punkt 4)
      Deine Kritik habe ich doch fast 1:1 auch so im Text beschrieben. Was soll dann dieses Geheule?

      Grüße

  6. Moin, ja, danke dafür, hat mich schon immer was gestört an der Argumentation der Systemlinge. Ich muß doch mehr Transzendenz an den Tag legen um die Matrix noch besser zu durchschauen. Bei der Zinsmanipulation sieht man schön die Verschmelzung der Großbanken, Konzerne und Politik, da wird Mussolini vor Freude rotieren. Wie seht ihr die Staatsform, die eine Änderung erreichen kann?

    • Hi Christian,

      Ich kann das jetzt mal versuchen, in wenigen Worten herzuleiten.
      Konzerne, Banken oder reiche Menschen, üben über ihren Reichtum Einfluss auf die Politik aus (Lobbyismus). Das ist ganz natürlich und ist sozusagen eine Kerneigenschaft von Demokratie. Um jetzt den Einfluss dieser „Mächtigen“ zu reduzieren, darf man sich entgegen der Vorstellungen von Sozialisten natürlich keinen „STRÄKEREN“ Staat wünschen, sondern muss diesen entmachten, damit die „Mächtigen“ keinen Einfluss mehr auf das Individuum ausüben können. Reichtum wird nur dann zu Macht, wenn man damit Einfluss auf den Gewaltmonopolisten nehmen kann – und das ist bei uns der Staat.
      Unsere Vorstellungen basieren auf den Ökonomen der Österreichischen Schule und den Lehren des verstorbenen Murray Rothbard. Sie wünschen sich eine Privatrechtsgesellschaft. (Die Staatsform wäre Anarchie – also „An“ ohne „archie“ Herrschaft, die Wirtschaftsform „kapitalistisch“ (im ursprünglichen Sinn!) und die Gesellschaftsform der Voluntarismus)

      In Oliver Janichs Buch wird dieses System sehr gut in deutscher Sprache beschrieben:
      http://www.amazon.de/dp/3898798208/

      Wenn Du im Englischen fitt bist, empfiehlt sich wirklich das Hörbuch von Murray Rothbard:
      http://mises.org/media.aspx?action=category&ID=87

  7. Zunächst möchte ich sagen, dass es mich fasziniert hat, einen Standpunkt vorgelegt zu bekommen, der auf der einen Seite pro Zins(seszins) und gegen das Schuldgeldsystem ist. Bisher habe ich immer nur die Positionen für oder gegen beides gelesen.

    Der Zins, wie hier beschrieben, diente in der Vergangenheit – aber auch heute – zum Anreiz, sein „überflüssiges“ Kapital anderen Menschen zu geben, die dieses in ihrer Situation eher brauchen. Der Zins ist maßgeblich verantwortlich für den wirtschaftlichen Erfolg des Abendlandes im Vergleich zu anderen Völkern, sprich der technologische Fortschritt ging viel schneller voran. Bis hierhin OK.
    Als Vermittler dienen dazu die Banken, die durch höhere Zinsforderungen als dem Sparzins ihren Profit generieren. So würden es die meisten Menschen auf Anhieb beschreiben. Und hier setzt, soweit ich das verstanden habe, Ihre Kritik des Schuldgeldsystems an, welcher ich vollkommen zustimmen kann.

    Die Kombination beider ist meiner Ansicht nach aber entscheidend, das auf dem Zinseszins basierende Schuldgeldsystem wenn man so will.

    Der Zins alleine ist ein „Klacks“, der Zinseszins jedoch nicht aber dennoch kommt er immer mit dem Zins einher. Um beim aufgeführten Beispiel des Josephpfennigs zu bleiben, muss man sagen, dass dieses Beispiel lediglich ein Exponetialwachstum durch alltägliche Maßeinheiten (Jahr 0,Pfennig,Gold,Erde) verdeutlicht werden soll.
    Und ja, exponetielles Wachstum findet man in der Natur sehr häufig, Bakterienkulturen z.B., aber nur nicht ewig, da die Kultur durch Faktoren wie Nahrungsmangel oder Stoffwechsel zusammenbricht oder sich höchstens in „Logarithmenkurve“ weitervermehrt.
    Das Argument des „Risikos“, das auch beim Beispiel des Josephpfennigs gebracht wird, ist nun wirklich lächerlich! Dass das Beispiel nicht realistisch ist und dass keine Bank 2000 Jahre besteht, ist jedem klar. Das Problem ist, schon nach 15 Jahren beim Zins von 5% (als wohlhabender Mensch bedeutet das natürlich Zinseszins, da er den Sparzins nicht abhebt) verdoppelt sich das Kapital. Was ist also zum Beispiel mit Geld, das pre 1945 angelegt wurde? Nach einem solchen Krieg ist das Risiko gleich null, da die Wirtschaft floriert und keine Blasen oder sonstige Ausgeburten vorhanden sind.
    Das Risiko, das 07/08 eingetreten ist, hat die wenigen, die immens(!) vom Zinseszins profitieren, vergleichsweise wenig gejuckt. Ein paar Millionen weniger ist nicht zum Gewinn, der vor- und nachher leistungslos generiert wird. Dabei möchte ich auf keinen Fall die Reichen angereifen, alle sind Teil des Systems.
    Nur sollte klar sein, dass der Zinseszins der Motor der globalen Umverteilung ist, rein mathematisch gesehen ist das logisch: Diejenigen, die mehr Zinseinnahmen als Zinszahlungen aufweisen, werden nun mal immer reicher, man kann also von einem bedingungslosen Spitzeneinkommen reden, das „leistungslos“ eingefahren wird. Da unser Geld keinen Eigenwert besitzt, ist es selbstverständlich, dass arbeitende Menschen den Gewinn tragen müssen. Die Zinsen werden dann in Form von Steuern, Eigenschulden oder Produkten im Hintertürchen eingetrieben. Im Zuge dessen muss mehr für weniger bezahlt werden.

    Anlagen bei Konzernen werden im Notfall auf Preise abgewälzt, bei Banken als Vergeber von Krediten ist das anders: Sie müssen die Zinsen, die sie den Sparern bringen müssen, irgendwoher „verdienen“. Wie schon erläutert, werden die Forderungen der Sparer durch den exponetiellen Charakter immer höher. Die Banken sind also dazu GEZWUNGEN, auf jegwegige Art und Weise Kredite zu verteilen (Sub-Prime Krise…).
    Der Kapitalmarkt sollte eigentlich zwischen Banken/Investoren und Unternehmen herrschen, wie oben auch bereits beschrieben. Durch die erreichten Dimensionen muss die Schuldenlast zunehmend von privaten Haushalten/den arbeitenden Menschen erbracht werden(All die Schuldenberge der Staaten also auch).

    Das Problem des Schuldgeldsystems tritt AB DIESEM PUNKT ein: Fluten des Kapitalmarktes, manipulierte Zinssätze, fraktionelles Reservesystem,Geld=Schuld. Sie wissen wovon ich rede. Nun bitte ich Sie zu versuchen, die Verbindung herzustellen, die zwischen beiden Problemen besteht, mich hat es ein Jahr mit Nachforschungen gekostet.

    Ich bedanke mich herzlich für Ihren Beitrag, da eine Kommunikation auf diesem Niveau heutzutage nur noch schwer zu finden ist! (Aber Manipulation durch Medien usw. wäre ein weitergehendes Thema,das sich hieran anschließen würde)

    PS.:
    -„Geldverleiher“, die wucherten, also Zinsen nahmen, waren sowohl im Christentum, als auch im Islam verboten (weshalb solche Berufe den Juden zukamen)
    -Geld regiert die Welt! – Und wer regiert das Geld?
    -Auf der Seite http://www.wissensmanufaktur.net/ ,die ich zum Thema Wirtschaftsforschung und Gesellschaftspolitik gefunden habe, wird über dieses Thema hinaus noch „tiefer gegraben“ und Ursachen für Verwerfungen auch im politischen Bereich allgemeinverständlich erklärt.

    • Hallo Marvin,

      ja – ich freue mich auch über vernünftige Konversation. Man sollte niemals aufhören, zu reflektieren und alles gelernte immer wieder prüfen.
      Ich versuche das bei den verschiedensten Themen und in Sachen Zins sind bei mir vor einiger Zeit die Würfel so gefallen, dass ich befürchte, dass es da eben nur noch richtig und falsch gibt und kein „vielleicht, wenn man es so betrachtet“. Mir kommt bei manchen Leuten (jetzt nicht bei Dir) so vor, als ob sie mit aller Gewalt die Probleme, die ganz offensichtlich da sind, mit dem Wort „Zins“ verbinden möchten – komme was wolle.
      Du wanderst auch von Zins, bei dem es scheinbar nichts zu holen gibt, zum Wort „Zinseszins“ und glaubst, dass die bisher gelernten Thesen darin noch ihre Richtigkeit behalten könnten. Ich achte beispielsweise Andreas Popp sehr für seine Systemkritik und die ganzen vielen geschichtlichen Herleitungen. In seinem „Reich“ gibt es nur zwei ganz wesentliche Fehler – 1. die Behauptung, dass der Zins ein Problem wäre und 2. seinen Plan „B“. Dieser gerne als „Vierkomponentenkleber“ bezeichnete Plan, der sicher auch aus der Feder eines cleveren(!), sozialistischen Mitglieds eines Zentralplanungskommitees hätte stammen können, setzt wie alle anderen Systeme auf Zwang und Gewalt – auch wenn es nicht wörtlich erwähnt wird. Wenn wir als „Libertäre“, „Voluntaristen“ oder „Anarchisten“ Wörter wie „Staatliches Bodenmonopol“ hören, dann sträuben sich uns die Nackenhaare bei der Vorstellung, wie man einen reichen Unternehmer aus seiner Villa zieht, weil er sich gegen die Enteignung wehrt, ihm dabei die Nase bricht und ihn dann in einen Polizeiwagen wirft. Dann kann man nur hoffen, dass der nicht in einen Gulag oder Arbeitslager fährt. Die im Plan B erwähnte „staatliche und zugleich unabhängige Zentralbank“ halten wir für unmöglich. Eine staatliche Bank kann nicht unabhängig sein. Keine Bank kann unabhängig sein – auch private nicht und deshalb möchte man keine Macht der Welt in einer einzigen Hand vereint sehen. Ein Staatsmonopol auf Gewalt, Geld oder alles andere lehnen wir aus gutem Grund strikt ab.

      Zurück zum Zins:
      Was den Zins vom Zinseszins unterscheidet ist ja nur der Unterschied, dass die Mietgebühr für das Geld nicht verkonsumiert, sondern immer wieder auf den angelegten Betrag aufgeschlagen wird. Ich weiß nicht, ob ich hier schon einmal das Beispiel mit dem Mietwagenhändler gebracht habe, bei all den Diskussionen zu dem Thema. Also wenn ein Mietwagenhändler eine Flotte von 10 Fahrzeugen hat, die so viel einbringen, dass er sich am Ende des Jahres einen weiteren Wagen leisten kann, den er seiner Flotte hinzufügt, dann ist der Gewinn dieser Investition in Autos der Zins und der Kauf eines weiteren Wagens am Ende des Jahres ein Vorgang, der als Zinseszins verstanden werden kann. Würde er immer wieder den Gewinn am Ende des Jahres für den Kauf neuer Wagen ausgeben, so würde seine Flotte auch exponentiell wachsen.
      Aber was passiert tatsächlich? Es gibt Risiken, die eintreten können.
      Er könnte Schadensersatz leisten müssen, weil einer seiner Wagen nicht ordentlich gewartet wurde und in einen Unfall verwickelt war. Zack verliert er einen Wagen und viel Geld, muss vielleicht einige der Wagen verkaufen. Risiken eben.
      Du schreibst, dass das Argument des Risikos „wirklich lächerlich“ sei. Aber das ist glücklicherweise mein sicherstes und bestes Argument.
      Ich hatte eingangs geschrieben, dass ich die durch das Zentralbankgeld auf Basis von Schuld geschaffenen Probleme gerne vom Zins trennen würde, weil der Zins tatsächlich nur die Fiatgeld Probleme verschärft – ähnlich wie eine Pistole das Schadenspotential eines Psychopaten erhöht.
      Was sind denn heute oder auch im Beispiel von Dir beschriebene, risikolose Geldanlagen? Heute haben wir verstanden, dass auch Staaten Pleite gehen können und sagen, dass es so etwas nicht mehr gibt. Aber es war tatsächlich schon immer so. Es gibt keinen risikolosen Zins. Wenn er für die von Dir erwähnten „Reichen“ geschaffen wird und wie Du richtig schreibst im Jahr 07/08 nicht zu Verlusten von Vermögen geführt hat, womit ist das dann zu erklären? Na – das sind Regierungen und Zentralbanken, die das Geld der Bürger verpfänden, um den Zins quasi risikolos zu machen. Ist das jetzt die Schuld des Zinses oder der Regierungen und Zentralbanken?
      Sind auf Staatsanleihen gezahlte Zinsen risikolos? Wer trägt das Risiko? Der Halter von Staatsanleihen profitiert davon, dass andere das Risiko tragen. Sein Risiko tritt erst ein, wenn andere wirklich völlig ausgeblutet wurden.

      Wenn der Zins wirklich das Problem wäre, dann müsste er auch in einem Geldsystem, welches NICHT von einer Zentralbank kontrolliert wird, zu den beschriebenen Problemen führen, richtig?
      Tut er aber nicht. Alle bisherigen „Free Banking“ Phasen in der Weltgeschichte zeigten niemals diese Verwerfungen, wie sie heute zu beobachten sind.

      Ein Bekannter von mir brachte einmal in einer Diskussion folgende, weitere Sichtweise auf den Zins ins Spiel:

      „Vielleicht verstehen die Leute es besser, wenn du ihnen erklärst das eine Abmachung doch möglich sein sollte. Z.B.: Hans braucht mehr Geld um eine teure Maschine zu kaufen. Peter hat auch Geld und verleiht es. Hans geht zu Peter und fragt ihn ob er sein Geld ausleihen darf. Mit der Maschine will er kostengünstig für Menschen „freie Energie“ erzeugen und damit sein Geld verdienen. Das Geld wird er in einem Jahr zurückzahlen können. Peter will auch Geld verdienen, aber will nicht im „Freien-Energie-Geschäft“ mitmachen. Hans hat eine Idee, er zahlt das Geld verzinst zurück. Also er zahlt das ausgeliehene Geld zurück + mehr Geld(Zinsen), da er ja mit seiner Maschine auch mehr Geld verdient. Beide machen einen Vertrag und sind glücklich.“

      Ich verwende auch gerne das Beispiel mit der Eismaschine:

      „Tobias hat selbst kein Geld und möchte Eis verkaufen. Für den Kauf einer Eismaschine benötigt er 1000 Euro, die er sich von mir leiht. Ich habe die 1000 Euro angespart und kann sie ihm geben. Da ich sie aber nicht anderweitig investieren kann, erbitte ich von ihm eine Mietgebühr für das Geld (Zins). Er soll mir jährlich 50 Euro an Zinsen für das Geld zahlen. Er produziert jetzt fleißig Eis und erwirtschaftet einen Gewinn von 200 Euro im Monat. Aus den erwirtschafteten 2400 Euro im Jahr zahlt er mir die Mietgebühr für das Geld.“

      SO – und um zu unterstreichen, dass es sich wirklich nur um eine Leihgebühr handelt, frage ich dann, ob das krank ist. Denn wenn der Zins IN SICH etwas krankes hätte, dann hätte er es doch in jeder Form der Anwendung und in jedem Beispiel. Dann frage ich noch: Was wäre, wenn ich selbst zu Beginn die Eismaschine gekauft hätte und sie Tobias vermieten würde? Wäre das dann genauso krank?

      JEDES GÜLTIGE GEGENARGUMENT, welches jetzt zeigen würde, dass es bei Banken heute eben doch KRANK und SCHÄDLICH ist, beruht auf der Tatsache, dass wir ein krankes Geldsystem als Basis haben.
      In einem System, in dem weißes Papier mit Zahlen bedruckt werden kann – ohne das es eine werthaltige Basis dafür gibt, ist der Vermehrung kein Grenze gesetzt. Risiko bei der Vergabe von Staatsanleihen kann praktisch immer alleine über das Drucken von Geld eliminiert werden. (ohne direkte Enteignung, Inflation findet statt)
      Geschäftsbanken können sich beliebig Geld von der Zentralbank leihen – und dabei wird nicht die Goldmenge als Gegenstück in Tresoren erhöht sondern die Schuld, die letzten Endes das Volk zu tragen hat.

      Ich kann Dir wirklich folgendes Buch empfehlen, welches ich gerade lese:
      http://www.amazon.de/dp/3898798208/

      Die Titel von Janich’s Büchern sind immer etwas reißerisch gewählt, aber die Inhalte sind klasse.
      Wir haben auch eine Buchliste mit Empfehlungen vorbereitet.
      http://www.amazon.de/lm/R2Y39D7K38OP97/ref=cm_pdp_lm_title_1

      • Nach meiner Erfahrung im privaten und öffentlichen Umfeld kenne ich keine Person, die alle Probleme auf den Zins abwälzt. Jedoch bemerkt man schnell, dass wenige Menschen überhaupt Probleme feststellen und merken, dass sie nicht in der heilen Welt leben. Diejenigen, die merken, dass etwas schief läuft, gucken nach der vermeindlich verantwortlichen Stelle: Die Politik. Jeder kennt das, wenn sich Proleten lautstark über Politiker beschweren, wie diese doch nichts machen und doch alle koruppt seien. Meiner Meinung nach viel zu einfach gedacht.

        In meinem Kommentar wandere ich deshalb vom Zins zum Zinseszins, da dieser, wie in deinem Beispiel mit den Mietwagen, optional einhergehen kann, je nachdem, ob die Zinserträge abgeschöpft werden oder nicht. Man kann daher nicht nur vom Zins alleine reden, solange man mehr als eine Forderungsperiode betrachtet.

        In deinem Beispiel mit Hans und Peter muss man also davon ausgehen, dass beide zwar Geld haben, aber nur Peter hat genug abzüglich seines Lebensstandards, dass er das Geld verleihen könnte. Der Konflikt löst sich beim Zins.
        Diese „Leihgebühr“ ist also ein Anspruch auf mehr Geld im Zuge eines Verleihs von Geld, das er ohnehin nicht benötigt hätte. Mit dem Risiko,das hier entsteht, also wenn die Maschine doch nicht so viel einbringt, um Peter das Geld zurückzuzahlen, kann ich dir folgen(hast es hier zwar nicht genannt,aber ich nehme an, das wäre das Risiko). Das Risiko ist aber nur scheinbar, da ein Verleiher von Geld immer Sicherheiten in Form von Sachwerten fordert, in dem Beispiel die Maschine selbst, die im Gegensatz zum FIAT Geld Werthaltigkeit besitzt.
        Und wenn das Risiko wegfällt, sollte es als selbstverständlich erachtet werden, das Geld „Bedürftigen“ zu geben, auch ohne eine Leihgebühr zu fordern. Man könnte, um einen Umlaufimpuls herzustellen, den Rückhalt von Kapital sogar mit einer Geldstrafe ahnden, da eine Vergabe von Geld auf Ideenköpfe für jeden Fortschritt bringen würde.

        Anstelle von Idee sucht Geld könnte es heißen, Geld sucht Idee.
        Unter anderem deshalb hat der Plan B mit dem fließenden Geld als eine dieser Komponenten auch meine Aufmerksamkeit geweckt.

        “ Was wäre, wenn ich selbst zu Beginn die Eismaschine gekauft hätte und sie Tobias vermieten würde? Wäre das dann genauso krank?“ – Das wäre eine Dienstleistung.

        Ich geben dir vollkommen recht. Das Geldsystem ist krank. Dass das friktionelle Reservesystem und Bilanzverlängerungen Gang und Gebe sind, ist erschreckend. Mit einer Sachwertunterlegung habe ich mich zugegebenermaßen nicht allzulang beschäftigt, da Staaten,wie du es gesagt hast, diesen einfach im Krieg aussetzen können. Oder besser noch, einfach nur so(1971). Es hat mir jedoch nicht zugesagt, da die Sachwerte zur Unterlegung selbst doch auch einen Preis/Wert haben?

        Grund für Gesetze zum Banken- und Geldsystem sind Regierungen, nur weißt du genauso wie ich ,wie verwerflich eine Demokratie sein kann, wenn ihr Ausgang zangsläufig eine Ochlokratie des gemeinen Volkes ist, in der keiner merkt, dass der Staat als solcher seine Macht den Oligarchen abgegeben hat.

        Ob deine Ansichten als “Libertärer”, “Voluntarist” oder “Anarchist” so angebracht sind, finde ich zweifelhaft. Gegen möglichst wenig Staat im Sinne des Liberalismus ist zunächst nichts einzuwenden, aber Staatswesen komplett aufzulösen ist utopisch. Wir würden sicherlich nicht, wie viele vielleicht behaupten würden, in die Steinzeit zurückkehren oder im totalen Chaos versinken, aber ich muss sagen: Macht den Versuch bitte ohne mich in einer anderen Welt!
        Staaten und Regierungen sind meiner Ansicht nach etwas unumgängliches und in zivilisierter Welt sogar notwendig. Mag sein, dass die da allen Dreck machen die Beamten und die im öffentlichen Dienst, Schuld an der Misere sind aber immer noch die, die mächtiger sind als die Staaten und daher jene „ein wenig“ beeinflussen. Also genau diejenigen, die das Geld- und Bankensystem nicht nur kennen, sondern es in vollem Bewusstsein aus Egoismus,Habgier und Machtsucht erhalten, und das mit ALLEN Mitteln, sei es Wirtschaftskrisen, Arbeitslosigkeit, Gehirnwäsche, Zwang, Angst durch vermeindlichen Terror, Armut, Weltkriege.

      • „Diese “Leihgebühr” ist also ein Anspruch auf mehr Geld im Zuge eines Verleihs von Geld, das er ohnehin nicht benötigt hätte.“

        Das ist doch sehr einfältig gedacht. Er verleiht Geld, das er selbst nicht „benötigt“?
        Diese Geld ist immerhin die geronnene Arbeit seiner Hände – ein Polster, das er sich mit seiner Arbeit geschaffen hat. Dann zu sagen, er soll es doch weggeben und keine Miete dafür verlangen ist so, wie wenn man jemanden mit 2 Autos dazu auffordert, eines davon doch bitte mietfrei an den Nachbarn zu verleihen, der kein Auto besitzt.
        Wenn es also „schlecht“ sein soll, werthaltiges Geld zu sparen (z.B. Gold), wieso soll es dann OK sein, sich viele Autos von dem Geld zu kaufen und die zu „sammeln“? Wohlgemerkt: Ich spreche hier von werthaltigem Geld – also für meinen Fable für diese wird auch die Wirtschaft angekurbelt, weil jemand in einer Miene Gold abbauen muss.

        „Mit dem Risiko,das hier entsteht, also wenn die Maschine doch nicht so viel einbringt, um Peter das Geld zurückzuzahlen, kann ich dir folgen(hast es hier zwar nicht genannt,aber ich nehme an, das wäre das Risiko). Das Risiko ist aber nur scheinbar, da ein Verleiher von Geld immer Sicherheiten in Form von Sachwerten fordert, in dem Beispiel die Maschine selbst, die im Gegensatz zum FIAT Geld Werthaltigkeit besitzt.“

        Nein. Es gibt natürlich auch andere Risiken. Tobias könnte mit der Maschine abhauen und sich nach Panama absetzen. Dann ist alles futsch. Die Maschine könnte auf Grund der permanenten Produktion in einem heißen Sommermonat explodieren. Risiken sind vielfältig. Das erste Risiko entsteht schon in dem Moment, in dem ich das Geld aus meinem Besitz in den eines anderen übertrage. Wie wir alle wissen, sind bei Banken hinterlegte Sicherheit oft nichts oder nicht mehr so viel wert, wie ursprünglich angenommen. Die Subprime Krise ist dafür ein gutes Beispiel, wie ich finde, denn man merkt schnell, dass ein für 300.000 USD beliehenes Haus an einem bärischen Markt schnell auch nur noch 140.000 USD wert sein kann.
        Die risikolose Vergabe von Krediten ist eine Mär. Selbst bei Staatsanleihen merkt man das heute.

        „Und wenn das Risiko wegfällt, sollte es als selbstverständlich erachtet werden, das Geld “Bedürftigen” zu geben, auch ohne eine Leihgebühr zu fordern. Man könnte, um einen Umlaufimpuls herzustellen, den Rückhalt von Kapital sogar mit einer Geldstrafe ahnden, da eine Vergabe von Geld auf Ideenköpfe für jeden Fortschritt bringen würde.“

        Aufbauend auf der These, das Kreditvergabe niemals risikolos ist, kann man doch Menschen nicht dazu zwingen, eine Sache, an der sie selbst das Nutzungsrecht haben, an andere weitergeben zu müssen. Aber würde denn heute passieren (wir nehmen wieder werthaltiges Geld an), wenn ein Unternehmer Geld zu viel hat? Was macht er damit? Ist dieses Geld wirklich wirkungs- und nutzlos?
        Er würde davon vielleicht Aktien kaufen, Unternehmensanleihen oder Fondsanteile, die in Unternehmen investiert sind. Das angelegte Geld ist doch mitnichten wirkungslos! Firmen nehmen das als Fremdkapital und machen damit tolle Dinge, planen eine neue Produktionsstraße oder entwickeln ein neues Automodell.
        Selbst wenn er es auf einem Sparbuch anlegt – macht in der heutigen Bankenwelt die Bank etwas mit dem Geld (Investmentgeschäft), sonst würde er nicht ein einziges Prozent Zinsen auf das Guthaben bekommen. Es besteht auch das Risiko des Bankrotts der Bank. In einer von libertären angestrebten Welt des „Free Bankings“ würde es Sparkonten geben, mit der die Bank nicht wirtschaften darf und so würde sich zwangsläufig für Verwahrung und Verwaltung dieser Gelder ein negativer Zins entwickeln.
        Und jetzt noch der aus Sicht der Anhänger des fließenden Geldes „schlimmste“ Fall, in dem er Unternehmer das Geld in Bar unter sein Kopfkissen legt. Er besäße kein Vertrauen in eine Bank oder Unternehmen und würde nur der Sicherheit seines Kopfkissens vertrauen. Wie oben bereits angedeutet ist das bei werthaltigem Geld nichts anderes, als würde er sich mehrere Sportwagen in die große Garage stellen. Geld ist Gold und Gold muss auch abgebaut werden, genauso wie der Ferrari gebaut werden muss. Das zu sammeln und zu Hause zu behüten ist sein gutes Recht und absolut nicht schädlich.
        Immerhin wird dadurch, dass er Geld nicht mehr am Markt zur Verfügung stellt, das Geld, das am Markt noch gehandelt wird und sich in den Taschen zahlungsbereiter Kunden verbirgt, ein Stück mehr wert. Wie auch bei jeder anderen Ware, bestimmt sich der Preis des Geldes aus Geldangebot und Geldnachfrage. Der Markt löst dieses wie jedes andere ökonomische Problem mit Bravour.

        Anstatt ein staatliches Monopol auf die Ware Geld zu gründen – und sei die Theorie auch noch so einleuchtend und angenehm – muss man, um das wertstabilste, „beste“ geld zu finden, dem Markt die Aufgabe überlassen und man wird den effizientesten und ressourcenschonendsten Weg gezeigt bekommen. Man nennt dieses Prinzip auch das der „Spontanen Ordnung“, welches von dem Wissen aller Marktteilnehmer profitiert. Die Essenz: Alle Teilnehmer eines Marktes wissen zusammen mehr, als eine einzelne, steuernde Instanz jemals in der Lage ist auch nur zu erfassen. Man nennt es auch die „unsichtbare Hand“.
        Monopole neigen IMMER und OHNE AUSNAHME immer zu Ineffizienz und Missbrauch. Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben.

        Hier ein Kommentar zum Kurzfilm „I Pencil“

  8. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die Banken Spargelder wieder in Umlauf bringen. Da aber allen Guthaben Schulden gegenüber stehen, die nur getilgt werden können, wenn die Gelder in Umlauf sind, kommt der Schuldner in eine machtlose Situation. Es geht ihm so, wie wenn in der Geschenkökonomie der ehemalige Leistungsträger nun keine Gegenleistung annimmt (nicht konsumiert) und statt dessen Dienste (Zins) vom Schuldner verlangt. Der natürliche Zins der Geschenkökonomie ist negativ. Guthaben und Schulden geraten in Vergessenheit. Für ein Fahrrad, das ich vor 10 Jahren verschenkt habe, erwarte ich mir nicht mehr ein gleichwertiges Gegengeschenk.

    So lange der Zins negativ ist, versuchen die Menschen Guthaben und Schuld auszugleichen, wie eben in der Geschenkökonomie. Wenn hingegen Geld durch Geld verdient werden kann, dann gibt es einen Sparanreiz. Die Vermögen und spiegelbildlich die Schulden schaukeln sich auf. Das ist unser heutiges Problem. Die Schuldner können sich in Summe nicht entschulden, so lange das Geld zur Schuldtilgung auf Sparkonten zeitlich gebunden ist und nicht in Umlauf kommt. Das Gesetz der Spiegelbildlichkeit von Forderungen und Verbindlichkeiten schließt es aus, dass Verbindlichkeiten verschwinden, so lange Forderungen aufrecht gehalten werden. So lange also die Sparer ihr Geld nicht ausgeben sind die Schuldner in Summe machtlos, denn das Geld zur Schuldtilgung ist gar nicht in Umlauf. Das gilt auch für ganze Staaten. Die Südländer werden Außenhandelsdefizite haben, so lange Deutschland mit seinen Außenhandelsüberschüssen nicht endlich einkaufen geht und Geld ausgibt statt weiter welches einzunehmen. Die Guthaben übersteigen die handelbaren Güter heute um das 10-fache. Der Sparanreiz muss sinken, damit sich diese Spirale nicht weiter aufschaukelt. Sinkt er nicht, und beginnen die Sparer nicht ihr Geld auszugeben, so wird man die Vermögen letztlich durch einen teilweisen Schuldenschnitt enteignen. Das ist aber wesentlich unangenehmer für die Sparer als ein negativer Zins.
    Ein negativer Zins lässt es nämlich zu das Geld anders anzulegen, zum Beispiel in Versicherungen, Aktien, oder durch Privatkreditvergabe. In allen diesen Fällen kommt das Geld tatsächlich wieder in Umlauf. Es sind daher sinnvolle Sparformen im Gegensatz zur Geldhortung auf Sparkonten. Diese muss mit einem negativen Zins bestraft werden, da die Sparer in Summe damit der Wirtschaft ihr Schmiermittel Geld entziehen und Schuldtilgung damit unmöglich machen. Diskussion zu diesem Thema auf http://www.geldmitsystem.eu

    • Achtet, wie eingangs im Artikel erähnt doch bitte darauf, dass ich mit dem ganzen Aufriss heir zeigen will, dass der ZINS nicht Schuld ander Misere ist, sondern das Schuldgeldsystem.

      Und schreibst einfach drüber weg, wie auch ein Herr Dirk Müller einfach über die „Volksbank von Judäa“ hinweg argumentiert.

      „Wenn hingegen Geld durch Geld verdient werden kann, dann gibt es einen Sparanreiz. Die Vermögen und spiegelbildlich die Schulden schaukeln sich auf. Das ist unser heutiges Problem.“

      1. Geld wird nicht durch Geld verdient
      Ein Mensch, der irgendwo Geld anlegt und dafür einen positiven Zins erhält, muss sich doch im klaren sein, dass die Bank mit dem Geld wirtschaftet und es verleiht oder investiert. Dass das dann durch die Mindestreserve und die Geldschöpfung aus dem Nichts stark multipliziert abläuft hat man uns als Kinder nicht erklärt, aber selbst dieser einfache Sachverhalt war mir als 6jähriger schon beigebracht worden.
      Dadurch, dass die Bank das Geld von den Spareinlagen nicht von dem Investmentgeschäft trennt, ist auch mit einem Sparbuchzins von heute nominal 1% und Realzins von -2% ein Risiko verbunden – nämlich das, dass die Bank die Verbindlichkeiten nicht mehr bedienen kann.

      2. Spiegelbildlich schaukeln sich doch nur deshalb die Schulden auf, weil das Geld nicht an einen Sachwert wie Gold gebunden ist.

      Das fließende Geld mit einem negativen Zins mag sich ja wunderbar anhören, es ist aber wieder ein Zentralbankgeld und Zentralbanken können niemals unabhängig sein, sondern haben – und das zeigt die Geschichte ganz klar – immer dann, wenn der jeweilige Staat zu kollabieren drohte, die guten Vorsätze über Bord geworfen.
      Da wurden auch die so hoch gelobten Goldstandards im Zuge der Kriege und ausufernden Staatsausgaben ratzfatz aufgehoben und durch Fiatgeld ersetzt, das sich bis heute gehalten hat.

      Das geniale am Marktgeld (Free Banking) ist ja, dass man keinen MASTERPLAN für das Geldsystem haben muss, sondern sich das wertstabilste Geld automatisch durchsetzt.

      Hier gibt es noch eine gute Analyse zum Plan „B“ und seinen Inhalten.
      http://www.freiwilligfrei.info/archives/4635

  9. Ja, danke, gute Argumente. Um ein wenig darauf einzugehen:

    –> „Den Zins kann man als eine Leihgebühr für Geld verstehen. Ein Mensch, der Geld gespart hat und dieses “heute” nicht braucht, verleiht es an einen anderen Menschen, um “morgen” dafür mehr zu haben.[…] Der Zins ist nichts weiter als eine Leihgebühr für Geld. Mehr nicht.“
    Genau ist das Problem. Ich habe etwas, das ich nicht brauche. Du hast es nicht, brauchst es aber. Ich gebe es dir aber nur, wenn du mir mehr davon zurückgibst. Das nennt man „Ausnützen einer Zwangslage“.

    –> „Es verhält sich ganz ähnlich wie wenn ein Mensch ein Auto besitzt, welches er kaum nutzt und dieses an einen anderen vermietet.“
    Leider nur ähnlich. Denn die einzige Verwendungsmöglichkeit beim Geld ist, dass ich es wieder jemandem anderen weiter gebe. Das Auto kann ich direkt nutzen, ohne es weitergeben zu müssen. Über diese Komplikationen muss man mal länger nachdenken.

    –> „Beide einigen sich auf das Geschäft, da beide einen Vorteil im Geschäft sehen.“
    Das hört sich bei den Anarchokapitalisten immer so freiwillig an. Das Thema Freiwilligkeit habe ich schon einmal thematisiert: http://patrickseabird.blogspot.co.at/2013/11/die-vorstellungen-der-voluntaristen.html

    –> Die Zinseszins-Argumente im Artikel stimmen so weit. Exponentielles Wachstum gibt es in der Natur oft. Und ja, dieses muss irgendwann einmal zum Erliegen kommen. Kann man ja auch beobachten, dass Währungssysteme im Durchschnitt alle 60-70 Jahre zusammenbrechen.
    Aber ich denke, dass der Zinseszins schon ein Problem darstellt. Wer viel hat, bekommt auch mehr. Zu ungleiche Gesellschaften drohen, auseinanderzubrechen. Siehe auch: http://patrickseabird.blogspot.co.at/2013/02/die-okonomische-ungleichheit-ist-die.html

    –> Und zum Anarchokapitalismus generell: Wer wissen möchte, wie eine anachokapitalistischen Welt aussieht, braucht sich nur unseren Planeten ansehen. Wir haben einen weltweiten Anarchokapitalismus:
    http://patrickseabird.blogspot.co.at/2013/01/wasserprivatisierung-und-freiheit.html

  10. !!!!!!!!! Tippfehlerbereinigte Fassung meines eben abgesandten Kommentars !!!!!!!!!

    Hmmm, wenn ich die Kommentare so lese, drängt sich mir der Eindruck auf, dass hier z. T. vielleicht unbewusste Vorannahmen, wie Geld zu sein hat, bzw. ist, die Argumentation einiger Kommentatoren mitbestimmen. Auch mir ist es zunächst schwergefallen, die Argumente des Autors nachzuvollziehen. Ich versuche also jetzt mal, die Gedanken des Autors mit meinen Worten zu replizieren.

    These des Autors (so wie ich das verstanden habe):

    Zins und Zinseszins sind kein Problem, WENN folgende Faktoren zutreffen:
    1a) Es gibt keine zentrale Geldinstanz, also kein wie auch immer geartetes Geldschöpfungs- und auch kein. Geldverwaltungsmonopol.
    1b) Es gibt somit auch keine gesetzlichen Zahlungsmittel.
    2a) Es gibt keine gesetzlichen Regelungen, die die Vertragsfreiheit zwischen Geldnachfragern und Geldanbietern einschränken.
    2b) Was es hingegen sehr wohl geben kann, sind Regelungen, die die Einhaltung der eingegangenen Verpflichtungen erzwingen.
    3) Es gibt keine Machtinstanz, welche die Geldverleiher vor Ausfallrisiken schützt.
    4a) Es gibt kein Teilreservesystem, welches Geld aus dem Nichts erschafft,
    4b) welches zudem die Zinsen zur Begleichung dieser aus dem Nichts geschaffen Gelder NICHT miterschafft (!), so dass die entstehenden Verbindlichkeiten im Vergleich zu den entstehenden Guthaben immer größer werden, dieses sogar exponentiell, womit selbst dann, wenn alle vorhandenen Guthaben zur Schuldentilgung eingesetzt würden, noch Schulden übrig blieben und zwar genau in Höhe der seit Systemgründung aufgelaufenen Zinsen. (Das ist ja m.E. die tiefere Ursache unseres krankhaften Zwangs zu ständigem Wirtschaftswachstum bzw. Geldmengenausweitung. Ein Pyramidenspiel eben)

    Ist es zutreffend, dass, wenn auch nur einer der o.g. Punkte nicht erfüllt ist, der Zins, nebst Zinseszins, aus Sicht des Autors sehr wohl ein Problem darstellt?

    Für mich offene Fragen:

    1) Wenn der Geldverleiher den Kredit durch Sachwerte dinglich besichert, z.B. in Form einer Hypothek wie derzeit üblich, handelt es sich dann immer noch um einen risikobehafteten Zins? Oder ist dann nicht doch der Vorwurf leistungslosen Einkommens gegeben?
    2a) Was würde passieren, wenn es von jetzt auf gleich zu einem Freebanking-System käme, wo doch der Großteil des Warengeldes (also etwa Gold und Silber) in äußerst wenigen Händen (etwa Zentralbanken oder Kirchenschätzen) konzentriert zu sein scheint. Dann hätten wir doch sofort wieder monopolistische oder zumindest oligarchistische Verhältnisse.
    2b) Eigentlich müsste doch vor Einführung eines Freebanking-Systems alles vorhandene Warengeld (zumindest jenes in den Händen der derzeitigen Geldmonopolisten), analog zu einem Gesellschaftsspiel, gleichmäßig unter den Marktteilnehmern aufgeteilt werden, um eine anfängliche Chancengleichheit herzustellen, was ich aus unterschiedlichen Gründen für illusorisch halte.

  11. Das der Zins nicht das Problem ist habe ich mir selber auch immer wieder gedacht.
    Das Problem ist die Verteilung in diesem System. Wenn man, wie in Österreich, auf Arbeit bis zu annähernd 50 % besteuert werden kann, mit der Kest (Kapitalertragsstuer) aber nur 25 % abführen muss, kann das langfristig nur zu einer schiefen Vermögensverteilung führen. Hier bin ich ganz bei ihnen, der Staat belastet nicht alle Schultern gleich, ob dies durch Lobbyismus der Reichen betrieben wird oder Unwissenheit sei dahingestellt.

    Ich wollte sie zum Thema Staat aber noch etwas fragen.
    Sie sagen ein zu starker Staat würde noch mehr Ungerechtigkeit produzieren da wenige Reiche Einfluss ausüben können. Wo ziehen sie die Grenze ob wie Stark ein Staat sein sollte. Das wir eine Gesetzgebung brauchen steht außer Frage sonst, bzahlt ihnen keiner ihren Zins und schießt sie einfach nieder, sociel zum Risiko :-) Also ohne geht es nicht aber zuviel ist auch nicht gut. Weiter würden Konzerne auch über umwege Macht auf die Masse ausüben können. Ich sehe hier ein Problem das nicht Lösbar scheint. Pest oder Cholera ?

    • „Das wir eine Gesetzgebung brauchen steht außer Frage sonst, bzahlt ihnen keiner ihren Zins“

      Das sehen wir nicht so. Es gibt sig. Minarchisten (also Minimalstaatler) aber wie hier gehören zur Gruppe der Voluntaristen / Anarchisten und wir glauben, dass es sehr wohl ohne Staat möglich ist, eine Gesellschaft zu erhalten.
      Private Rechtssysteme:

  12. Wow, coole Seite. Viele haben es schon erwähnt und ich gebe diesem Artikel Recht ! Der Zins ist nicht das Problem ! Danke für diesen Artikel, eigentlich wollte ich nichts reinsetzten aber jetzt habe ich es schon aufgeschrieben… also los: ! Ich glaube, was die meissten kritisieren, ist auch nicht der Zins, sondern das auf Schulden basierende Geldsystem. Beispiel: Der Verleiher übergibt 1000€ an eine Person, die sich dafür eine Eismaschine kauft und mit dem Verkauf von Eis genug Geld verdient, um die Zinsen und das geliehene Geld wieder zu erwirtschaften…(klingt logisch)! Was aber, wenn das gesamte Geld eines Landes, mit dem man wirtschaften muss, nur geliehen ist ? Wenn das verliehene Geld des Eisverkäufers auch nur geliehen war, da das Land sich das Geld von einer Privaten Bank geliehen hat und dafür auch Zinsen zahlen muss, und dieses geliehene Geld dann in den Umlauf gebracht wird ? Dann wird von vornherein schon mit Schuldgeld bezahlt, das einem nicht von einer unabhängigen Landesbank gegeben wurde, sondern von einer privaten Bank, die für jeden Cent einen Zins verlangt ! Wenn ein Mohrrübenverkäufer sich für das Geld seiner Mohrrüben(der Landesbank) ein Eis kauft, sind das ja reelle Werte, die er erwirtschaftet hat, und mit denen er das Eis bezahlen, und der Eisverkäufer seine Schulden an die private Bank zurückzahlen kann, aber wenn beide nur mit Schuldgeld bezahlen, das früher oder später zurückgezahlt werden muss, sind das keine erwirtschafteten Werte, mit denen man Schulden bezahlen kann. Der einzige Ausweg für den Eisverkäufer, seine Schulden mit reellen Werten zu bezahlen, ohne das eigene Land, mit dem geliehenen Umlauf-Schuldgeld zu belasten, wäre es, das Geld von einem anderen Land zu bekommen (und dieses damit zu belasten, wenn dieses das gleiche Geldsystem hat), weil es sich dabei um zwei separate Geldumläufe handelt und das eine Land unabhängig, von den Krisen des anderen Landes bleibt (wobei es auch hier früher oder später Konflikte und Krisen geben wird, wenn ein Land sein Geld, je nach Produktionsleistung auf- oder abwerten muss) und ein System, das darauf aufbaut, Konflikte zu schüren, ist sowieso nicht unterstützenswert), oder er müsste der Bank das Eis verkaufen, bzw sich mit seiem erwirtschafteten Geld von der Bank mit einem Zins belohnen lassen, was aber auch nicht klappt, wenn sich selbst die privaten Landesbanken, ihr Geld von einer zentralen Bank geliehen haben ! Somit wird dauerhaft mit Schuldgeld gezahlt. Klar ist es da ein Vorteil, das die privaten Landesbanken gezwungenermaßen durch das vergeben von Krediten, Geld aus dem Nichts schaffen, um bestehende, eigene Schulden zu eliminieren. Leider wird dieses Geld auch nur wieder per Kredit, also auf Schuldenbasis an neue Kreditabnehmer vergeben. Ohne die Geldschöpfung aus dem Nichts wären die privaten Landesbanken gar nicht fähig, die Schulden bei der zentralbank zu begleichen und den reichen Anlegern die Gutzinsen auszuzahlen. Es wird also dauerhaft Geld erschaffen, das mit der Zeit immer in den Händen, bzw auf den Konten der Reichen landen muss und von Kreditnehmern und Geldgebern abhängig ist, da das Land an sich über zu wenig Einkommen auf der Bank verfügt, um die Schulden, ohne Kreditaufnahme, zurückzuzahlen. Ist das so richtig ?

  13. Dein Punkt, dass der Zins durch das Ausfallrisiko gerechtfertigt ist, will mir noch nicht ganz einleuchten. Das Ausfallrisiko ist doch in den Zins mit einberechnet als eine Art Risikoausgleich. Der Zins ist aber immer höher als das Ausfallrisiko.

    Wenn ich als Bank 1.000 Menschen jeweils 100€ leihe, dann werden vermutlich 30 von ihnen den Kredit nicht zurückzahlen können. 3% des verliehenen Geldes sehe ich also nie wieder. Wenn der Zins nur als Ausgleich für dieses Risiko dienen würde, dann würde der Zinssatz eben genau diese 3% betragen.
    Als Bank nehme ich jetzt aber 9% Zinsen – ein Drittel als Ausgleich des Ausfallrisikos, evtl. noch ein Drittel um meine laufenden Kosten zu bewältigen – aber was passiert Deiner Meinung nach mit den letzten 3%?

    • „dass der Zins durch das Ausfallrisiko gerechtfertigt ist,“

      Er ist doch nicht ausschließlich durch das Ausfallrisiko gerechtfertigt.
      Er rechtfertigt sich vor allem durch den Verzicht. Der Geldgeber (in einem System ohne Zentralbank!) verzichtet doch für einen bestimmten Zeitraum darauf, das Geld zu nutzen – es zu „verkonsumieren“ oder damit eigene Investitionen voran zu treiben, wie z.B. ein Restaurant zu eröffnen.
      Dieser Verzicht rechtfertigt den Zins.
      So wie wenn man sein Auto an den Nachbarn verleiht und der dafür eine Miete zahlt, weil man selbst das Auto in der Zeit nicht nutzen kann.

      • Das ist richtig, nur liegt zwischen Auto und Geld ein wesentlicher Unterschied:
        Das Auto wird abgenutzt, der Autovermieter muss reinvestieren, um weiter Gewinne machen zu können.
        Bei Geld ist diese Reinvestition nicht notwendig, da es sich eben nicht abnutzt.

        Das Geldverleihen ist in meinem Verständnis eher mit dem Vermieten eines Grundstücks vergleichbar:
        Wenn in einer Volswirtschafts von 100 Bauern 50% des Landes den 10 reichsten Bauern gehört, jeder Bauer aber nur 1% der gesamten Ackerflächen bewirtschaftet, dann können die 10 reichen Bauern die übrigen 40% vermieten. Für diesen Verzicht auf Ackerfläche fließt ständig Geld von den 90 ärmeren Bauern zu den 10 reicheren. Durch diesen „Profit durch Verzicht“ sammelt sich Geld, dass davor im Umlauf war, so lange bei den reicheren Bauern, bis dieses durch den Erwerb neuer Ackerfläche wieder in Umlauf gebracht wird.

        Am Ende gehört die gesamte Ackerfläche den 10 reichen Bauern.

        Ähnlich verhält es sich mit dem Geld – Wirtschafts- und somit Geldmengenwachstum gleicht diese Entwicklung hier aus, so lange das möglich ist.

        Auch das Beispiel mit dem Josephspfennig finde ich nicht schlecht. Wenn ich mein Risiko entsprechend streue (auf viele Kreditnehmer), dann habe ich ein so geringes Ausfallrisiko, dass es zu vernachlässigen ist. Du hast geschrieben es sei in Ordnung, das Vermögen des erfolgreichen Großvaters aufzuzehren, der viel für die Gesellschaft geleistet hat. Nur zehre ich es nicht auf. Ich verzichte darauf. Und dafür bekomme ich Zinsen, mein Leben lang. Und so lange es keinen Zusammenbruch oder einen Neustart des Geldsystems gibt, werden meine Kinder, Enkel und Urenkel das auch tun. Und nie ein Ausfallrisiko haben, dass den Zins übersteigt.

        Ich bin selbst kein überzeugter Zinskritiker – aber diese Überlegung leuchtet mir ein. ;-)

  14. Kompliment an diesen Artikel! Allerdings bin damit ich nicht restlos überzeugt worden. Das kritisierte „Märchen“ von Fabian, dem Goldschmied, erklärt in seiner vollen Länge das „Gesamtsystem Geld“ und primär nicht den Zinseszins. Dass Fabian das alleinige Recht besitzt, Geld zu schaffen, bedeutet lediglich, dass diese Figur eine Metapher für den Staat darstellt. Dieses Dekret ist nicht die Quelle des Problems und hat nichts mit dem Zinseszins-Problem zu tun.

    Zinseszins wirft auch dem Lesen Ihres Artikels noch ungeklärte Fragen auf. Was nämlich hier deklariert wird ist, dass Geld und Produkte in ihrer Natur gleichwertig seien. Spätestens wenn ein Krieg oder „nur“ eine große Wirtschaftskrise ausbricht, wird jeder feststellen, dass dem eben nicht so ist.

    Es ist mir wichtig zu erwähnen, dass ich nicht Zins per se kritisiere, welcher eine „Leihgebühr für Geld“ darstellt, wie sie es schön formuliert haben. Man könnte es auch Risikogebühr nennen, denn es besteht die Möglichkeit, dass ein Teil oder Alles der verliehenen Summe nie zurückgezahlt wird. Zins ist grundsätzlich legitim. In einer schönen neuen Welt müssten aber Geld für Waren oder Dienstleistungen geliehen werden. Der exponentielle Wachstum beim Zinseszins erzeugt tendenziell tatsächlich das Phänomen, dass aus dem Nichts Geld geschaffen wird.

    Der Gegenwert von Geld sollte durch Angebot und Nachfrage gesteuert werden. Wenn diese wenigstens noch zum grössten Teil mit Gold gedeckt sind, kann mit dem System kaum etwas schief laufen. Weiter halte ich auch Parallelwährungen für einen vielversprechenden Weg.

    Liebe Grüsse

  15. Was mich noch etwas stört, ist der Vergleich mit Seerosen im Teich. Denn verschwiegen wird, dass man eine Backstop-Technologie entwickeln könnte, die evtl. mehrere „Etagen“ Wasser entstehen lassen kann (um im Bild der Seerosen zu bleiben, damit der Widerspruch deutlich wird). So können die Seerosen, wenn das Erdgeschoss voll ist, einfach ins erste Obergeschoss weiterwachsen, dafür sind natürlich Investitionen nötig, die das Wachstum kurzfristig schmälern, langfristig bleibt das Wachstum dafür erhalten. Und als Beweis, dass das nicht nur Theorie ist: Fernseher wurden immer flacher, da man heute keine Röhren mehr braucht, und wurden damit auch immer ressourcenschonender. Es gibt Recycling, und wenn man zu wenig Platz in einer Stadt hat (oh, eine Analogie zum Seerosenteich), reißt man ein Haus ab und baut ein Hochhaus. Kapital ist nicht nur Naturkapital, sondern auch Sach- und Humankapital. Schafft man es mit einem von dem dreien einen Mehrwert zu schaffen oder den zu steigern, kann man auch die Zinsen an Gläubiger zahlen.

  16. Ich habe eine Frage, betreffend eurer bevorzugten Staatsform (wenn man das dann so nennen darf) Anarchie.
    Angenommen der Übergang in die Anarchie verläuft so friedlich wie es nur möglich ist und euer gewünschtes System kommt zum Zug.
    Das derzeitigem System hat bereits extreme Gewinner hervorgebracht (mMn zumeist unverdient), die mit einem Startvorteil in das neue System „Anarchie“ gehen würden.
    Wie oder wer stellt sicher das kein Mensch so einen enormen Startvorteil genießt ?
    Auch im neuen System ist er Gewinner vom Zinssystem, weil er einfach bereits soviel Geld besitzt.
    Bis derjenige vom Risiko des Zinses arm wird, leben noch etliche Generationen sehr Gut von dem Geld.
    Oder Schlimmer, er missbraucht seine Macht und baut sich seinen eigenen Konzern/Armee/(Staat?) und unterdrückt andere damit.
    Euer System wird mMn nur dann Funktionieren wenn die Startbedingungen ungefähr diesselben wären.
    Ich weiß kein System ist frei von Fehler, aber der Startvorteil bzw. der Vorteil den das Kapital jetzt besitzt muss weg!

  17. Ich finde es erschreckend, dass „Goldschmied Fabian“ so viele Fans hat, dabei schreit einen der Antisemitismus aus dem Machwerk förmlich entgegen. So ein Müll aber auch. Kein wunder, dass Dirk Müller, Matthias Weik und Marc Friedrich auch auf der Wellenlänge liegen und ach so bösen Zinseszins schwafeln.

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