Weshalb der Sozialismus immer scheitern muss

Auszug aus „Ludwig von Mises – Leben und Werk für Einsteiger“ (Thorsten & Bagus, Philipp & Hoppe, Hans-Hermann & Hülsmann, Jörg Guido) :

„Mises definiert den Sozialismus als eine Gesellschaftsform mit Gemeineigentum an den Produktionsmitteln. Seine Gegenform ist der Kapitalismus, der sich durch Privateigentum an den Produktionsmitteln auszeichnet. Im Sozialismus sind alle Rohstoffe, Transportmittel, Vorprodukte, Maschinen, Infrastruktur und Fabriken in Staatshand.2 Es gibt keine Unternehmer, die in der Hoffnung, Gewinne zu erwirtschaften, Transportmittel kaufen, Rohstoffe handeln, Arbeitskräfte einstellen, Maschinen anschaffen oder ganze Fabriken erwerben. Da alle Produktionsmittel im festen Griff des Staates sind, werden sie nicht im Markt gehandelt. Es gibt daher auch keine Marktpreise für Rohstoffe, Arbeitsleistungen, Energie, Maschinen etc. Ohne Preise kann man jedoch nicht rechnen. Einnahmen und Ausgaben sind nicht anhand von Preisen vergleichbar. Somit kann der staatliche Planer nicht die wirtschaftlichste Produktionsweise wählen. Es kommt unweigerlich zu Verschwendung.
Nehmen wir zur Veranschaulichung einmal an, ein sozialistischer Staat möchte allen seinen Untertanen einen Tablett-PC zur Verfügung stellen. Nun gibt es aber unzählige Möglichkeiten, ein solches Gerät mit den gleichen technischen Fähigkeiten zu erzeugen. So können die eingebauten Computerchips alternativ aus Kupfer, Silber, Gold, Platin oder Silicium gefertigt sein. Der Tablett-PC ist jeweils gleich schnell. Welche Option sollte man wählen? Offensichtlich bietet sich die billigste Variante an. Aber ohne Marktpreise kann der staatliche Planer nicht wissen, welche Alternative die günstigste ist. Er tappt im Dunkeln. Denn die Kostenrechnung ist im Sozialismus unmöglich.
Betrachten wir ein weiteres Beispiel. Ein wohlmeinender sozialistischer Diktator möchte dafür sorgen, dass es seinen Untertanen im Winter nicht zu kalt wird. Da er über alle Arbeitskräfte und Ressourcen in seiner Volkswirtschaft frei verfügen kann, kommen ihm verschiedene Möglichkeiten in den Sinn. Er könnte in jedem Haus einen Holzofen errichten lassen und in der kalten Jahreszeit 25 Prozent der verfügbaren Arbeitskräfte zum Holzhacken in die Wälder schicken. Alternativ könnte er 75 Prozent seiner Arbeiter auf stromerzeugenden Fahrrädern strampeln lassen und die Häuser elektrisch heizen. Er erwägt zudem, seine Arbeitsarmee daranzusetzen, die Häuser besser zu isolieren. Ferner könnte er auf den Dächern Solaranlagen installieren lassen, was jedoch seine Zeit dauert und technologisch anspruchsvoll ist. Schließlich könnte er auch ein Atomkraftwerk errichten lassen, was aber zeitlich noch aufwendiger ist.
Welche Möglichkeit ist die beste?
Jede hat ihre Kosten. Einige Optionen verbrauchen mehr an Arbeit, einige mehr an Holz, andere mehr an Uran. Auch in der zeitlichen Dauer unterscheiden sie sich. Jede Alternative verbraucht bestimmte Ressourcen und Arbeitskräfte, die nicht gleichzeitig für andere Projekte zur Verfügung stehen. Wählt der Diktator die Fahrradvariante, hat er 75 Prozent der arbeitenden Bevölkerung in Beschlag genommen, die nun keine anderen Güter mehr herstellen können. Wählt er die Ofenoption sind es nur 25 Prozent der Arbeiter. Dafür kann das verheizte Holz nicht mehr in der Möbelproduktion eingesetzt werden und die im Sommer als Erholungs- und Ausflugsziel dienenden Wälder schrumpfen. Wiederum andere Kosten fallen bei der Isolier-, der Solar- und der Atomkraftalternative an.
Der Diktator kann die Alternative frei wählen. Ihm gehört ja alles. Aber aus eben diesem Grunde gibt es auch keine Preise für Arbeit, Holz, Uran etc. Er kann die Kosten nicht monetär vergleichen.3 Seine Entscheidung ist vollkommen willkürlich. Wählt er die Ofenvariante, vermag er nicht zu wissen, ob die von ihm produzierte Wärme in den Augen der Menschen mehr wert ist als die zur Wärmeerzeugung eingesetzten Ressourcen. Ist die Wärme im Winter den Leuten wichtiger als die Produkte, die nun nicht mehr produziert werden können, weil so viele Menschen zum Holzhacken abgestellt sind? Würden die Menschen nicht lieber im Sommer einen unberührten Wald genießen oder aber sich feiner Holzmöbel erfreuen?
Der Diktator kann die Antwort auf diese Fragen nicht kennen. Ihm fehlen die Preise. In einer Marktwirtschaft würde ein Unternehmer Verlust einfahren, wenn die Kosten für das Fällen der Bäume die Einnahmen aus dem Brennholzverkauf übersteigen. Der sozialistische Planer agiert zwangsläufig blind. Sein System versinkt in der Unordnung, im »geplanten Chaos«.“

2 Gedanken zu „Weshalb der Sozialismus immer scheitern muss

  1. Hallo,
    ich weiß nicht, wirklich? Das Kombinat in der DDR hat doch so geplant, daß in den Verkaufpreis die Unkosten der Produktion eingeflossen sind (gerechnet in Ostmark) und dann wurde die Zustimmung der Partei und Staatsführung eingeholt, die vielleicht noch einen „politischen“ Preis addiert oder subtrahiert haben.
    In dem Zusammenhang fehlt mir das Verständnis für den Unterschied zum Staatsmonopolkapitalismus. Wenn z.B. in der IT jetzt noch HP, IBM, DELL und Microsoft fusionieren und die Politik mit im Aufsichtsrat sitzt, wie bestimmt sich dann der Preis von bestimmten Produkten? Dieses ganze Monopol ist eh to big to fail, also kann der Staat auch subventionieren (was er ja tatsächlich bei bestimmten Standorten schon tut). Was ist dann noch der Unterschied zum Sozialismus?

    • Hallo Christian,

      Der Begriff „Staatsmonopolkapitalismus“ ist ein Oxymoron, denn dort wo der Staat wirkt, wirkt kein Kapitalismus. Staatliche Subventionen, Begünstigungen oder wohlwollende Regelungen, die eine bestimmte Gruppe oder einzelne Konzerne begünstigen, sind marktverzerrend und haben damit nichts mit einem Freien Markt zu tun. Diese Pervertierung nennt sich nicht Kapitalismus sondern Korporatismus – das Hand in Hand von Staat und Konzernen/Banken.
      Ein Monopol bildete sich in der Geschichte ausnahmslos durch staatliche Intervention. Der Freie Markt sorgt immer wieder dafür, dass sich ein Konzern am Markt beweisen muss. Als Beispiel wäre z.B. Nokia zu nennen, ein Unternehmen, dass für eine Weile den Mobilfunkmarkt dominierte und heute nur noch eine Nebenrolle übernimmt. Wäre die Annahme richtig, dass der freie Markt immer zu Monopolen führt, hätte Nokia alle Konkurrenten sofort aufkaufen und so seine Vormachtstellung sichern können.
      Im Korporatismus hingegen, müssen Banken die Risiken von riskanten Geschäften nicht selbst tragen sondern können das Risiko über den Staat auf die Steuerzahler abwälzen. Große Konzerne werden vor neuen Konkurrenten durch spezielle Markteintritthürden geschützt. Patente tun ihr übriges. (das ist aber ein anderes Thema)
      Dein Beispiel von den IT Konzernen setzt sich aus zwei Teilen zusammen. 1. Die Fusion von mehreren Unternehmen am Markt und 2. die Sache mit „too big to fail“ und den Subventionen. Den Punkt 2. habe ich ja schon erläutert. Das ist Marktverzerrung und hat nichts mit Kapitalismus zu tun – denn in einem vollkommenen Kapitalismus ist der Staat in keinster Weise involviert.
      Wenn sich wie in Teil 1. verschiedene Unternehmen nun zu einem Großen Konzern zusammenschließen, können sie gerne versuchen den Preis am Markt zu heben und größere Gewinne damit einzufahren. (Kon kret verkaufen sie einen PC, der in der Produktion 200 USD kostet für 500 USD) Der gehobene Preis würde in einem freien Markt neue Konkurrenten auf den Plan rufen, die bemerken, dass die Kosten für einen einzelnen PC niedrig sind und er auch mit 400 USD einen Gewinn machen würde. Zusammenschlüsse von Firmen zur „Ausbeutung“ von Kunden kann in einem freien Markt nur für ganz begrenzte Zeit funktionieren. Die schlechte Presse würde für einen Imageverlust sorgen – neue, günstigere Anbieter würden ihre Produkte wie heiße Semmeln verkaufen können.

      Ich empfehle zum einen das Buch „For a New Liberty“ von Murray Rothbard, welches es hier kostenlos als Hörbuch gibt:
      http://mises.org/media.aspx?action=category&ID=87

      Dieses kurze Video von Milton Friedman:

      Und zum Thema Kapitalismus das Buch/Hörbuch von Ayn Rand namens „Capitalism, the Unknonw Ideal“:
      http://kickass.to/ayn-rand-capitalism-the-unknown-ideal-t100356.html

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